capsule-158706_640Die Verschreibungspflicht für den Wirkstoff Levonorgestrel muss endlich fallen. CDU und CSU können Frauen bei der Schwangerschaftsvermeidung nicht weiterhin bevormunden. Frauen in einer Notfalllage müssen innerhalb von kürzester Zeit die ‚Pille danach‘ selbstbestimmt nutzen können, um so ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Wir Bündnisgrüne wollen jungen Frauen die Wahl zwischen einem selbstbestimmen direkten Zugang und der Erstattung der Kosten nach ärztlicher Verschreibung ermöglichen.

Gestern debattierten die Abgeordneten im Deutschen Bundestag über den Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die „Pille danach“ aus der Verschreibungspflicht zu entlassen (Drucksachennummer 18/492). Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und die CDU/CSU-Bundestagsfraktion weigern sich, die ‚Pille danach‘ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Leider wurde in der Bundestagsdebatte deshalb von ihnen nicht die Sachlage bewertet, sondern ideologisch entschieden. Dabei gilt die „Pille danach“ ausdrücklich nicht als Schwangerschaftsabbruch, sondern als ein Mittel zur Schwangerschaftsvermeidung.“

Der Wirkstoff Levonorgestrel ist seit sehr vielen Jahren ein bewährtes und sicheres Arzneimittel. Er ist in ganz Europa – außer in Deutschland, Polen und Italien – rezeptfrei erhältlich. Es ist zutiefst irritierend, dass sich der Gesundheitsminister über die fachliche Empfehlung seiner Bundesoberbehörde und des dortigen Expertenausschusses des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte hinwegsetzt.

Gröhe beschneidet mit Verweis auf eine vermeintlich unkalkulierbare Gefährdung der Gesundheit von Frauen ihre Selbstbestimmung über den eigenen Körper und die eigene Gesundheit. Damit spricht er Frauen faktisch die Fähigkeit ab, rational die mit der Einnahme verbundenen Vor- und Nachteile (Nebenwirkungen) der „Pille danach“ abzuwägen. Bei allen anderen nichtverschreibungspflichtigen Arzneimitteln scheint dies für ihn keine Rolle zu spielen. Völlig ausgeblendet wird auch die Tatsache, dass gerade junge Frauen in einer solchen Notfallsituation unter erheblichem Stress stehen. Ein unkompliziertes und reibungsloses Prozedere sollte bei der Vergabe selbstverständlich sein. Die Argumentation der angeblich nicht ausreichenden Beratung ‚an der Fensterklappe‘ ist ein Affront gegen die Apothekerinnen und Apotheker.

Die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel wird in den ersten 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Eine bereits eingetretene Schwangerschaft kann durch das Medikament nicht beendet werden. Die Pille danach ist also ein Verhütungs-, kein Abtreibungsmittel. Durch die derzeitige Rezeptpflicht ist eine ärztliche Verschreibung notwendig, was gerade am Wochenende und in ländlichen Gebieten den schnellen Zugang zu dem Medikament erschwert. Da die „Pille danach“ umso besser wirksam ist, je früher sie eingenommen wird, gibt es auch gute pharmakologische Gründe für einen direkten Zugang.

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