Quecksilber schadet der Gesundheit. Doch noch immer stoßen Deutschlands Kohlekraftwerke über sieben Tonnen jährlich aus. Die USA – wahrlich kein Hort des Umweltschutzes – zeigen wie es geht: Dort gelten strenge Quecksilbergrenzwerte. Laut einer aktuellen dürfte in Deutschland lediglich noch ein Steinkohlekraftwerk laufen, würden hierzulande die gleichen Grenzwerte gelten. Schon heute ist es technisch möglich, den Quecksilberausstoß von Kohlekraftwerken zu reduzieren. Doch nach Auffassung von Experten auf dem Fachgespräch und uns Grünen fehlt dazu bisher der politische Wille innerhalb der Bundesregierung.

In seinem Vortrag ‚Quecksilber-Emissionen aus Kohlekraftwerken‘ ging Christian Tebert von Ökopol auf seine wissenschaftlichen Ausarbeitungen von zwei Opens external link in new windowStudien für die Grüne Bundestagsfraktion und der Opens external link in new windowNRW-Landesregierung  ausführlich ein. Er wies unter anderem darauf hin, dass sowohl private als auch öffentliche Institutionen auf vermehrten Verzehr von einzelnen Fischarten abraten, da ein zu hoher Anteil von Methylquecksilber enthalten sei. Auch bei Haarproben wurde bei jedem dritten Neugeborenen in der EU eine Quecksilberbelastung über Grenzwert festgestellt. Gleichzeitig zeigt er auf, dass mit einfachen Methoden in den Kohlekraftwerken der Quecksilberausstoss nachhaltig gemindert werden könne. Dies führe lediglich zu einer Erhöhung des Strompreises von 0,02 ct/kWh und wäre damit um ein Vielfaches günstiger als die Folgekosten von erhöhten Konzentrationswerten in der Umwelt

Wie sich der Gesetzgebungsprozess zur Verschärfung von Quecksilber-Grenzwerten in den USA gestaltete, erläuterte Andreas Jahn von RAP in seinem Vortrag anschaulich. Die gesetzliche Grundlage für die US-Grenzwerte lieferte der Clean Air Act (CAA) von 1997. Damit konnte festgelegt werden, dass der Durchschnitt der Besten 12 Prozent der Kraftwerke den Standard für Quecksilber setzen. Durch diese Gesetzgebung ist es der USA gelungen, die Quecksilber-Emissionen massiv zu senken und damit einen Beitrag für den Gesundheits- und Umweltschutz zu leisten

In seinem Vortrag ‚Aspekte der Quecksilberminderung am Beispiel von Kohlekraftwerken‘ erläuterte Dr. Wecker von VGB Powertech die Vor- und Nachteile von einzelnen Methoden zur Emissionsminderung. Dazu gehört u.a. die Anwendung von Qxidations-Katalysatoren, die Additivzugabe zum Wäscher oder der Einsatz von Aktivkohle vor dem Elektrofilter.

Jürgen Fritzsche von New Environmental Technology GmbH machte in seinem Referat ‚Nutzung der Rauchgaswäsche als Quecksilber senke mittels Fällung‘ auf ein spezielles Verfahren (NETFloc) aufmerksam, wodurch der Quecksilberausstoß reduziert werden kann. Dieses Verfahren kommt bereits seit Jahren bei Müllverbrennungsanlagen zum Einsatz.

In der anschließenden Diskussion mit den über 80 Teilnehmer*innen wurde über die Vergleichbarkeit von US-Grenzwerten und deutschen Grenzwerten kontrovers diskutiert. Doch es herrschte in der Diskussion überwiegend Einigkeit, dass der Ausstoß von Quecksilber aus Kohlekraftwerken deutlich reduziert werden muss und dass dies mit vertretbarem Aufwand auch möglich ist. Es sei nun an der Politik zu entscheiden, welchen Stellenwert sie der Quecksilberreduzierung aus Kohlekraftwerken beimisst und wie sie diese über entsprechende Regelungen umsetzt.

Dabei ist auch klar: Ein Vereinbarung über den aus Klimaschutz- und vielen anderen Gründen notwendigen Kohleausstieg innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte führt ohnehin kein Weg vorbei. Aber die innerhalb dieses Zeitraums noch laufenden Kraftwerke müssen im Hinblick auf Quecksilber sauberer werden.

Die Vorträge schicken wir auf Nachfragen an annalena.baerbock {at} bundestag(.)de gerne als pdf zu.

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