Bei der Probenentnahme mit Mitgliedern der Initiative Quelle: Team Baerbock

Bodenprobe aus Bohrschlammgrube entnommen

Im Rahmen ihrer Sommertour informierte sich die Brandenburger Bundestagsabgeordnete ANNALENA BAERBOCK auf Einladung der Interessengemeinschaft „Bürger in Bewegung“ in Münchehofe (Landkreis Dahme-Spreewald) über die geplante Förderung von Erdgas durch den Energiekonzern Engie (ehemals GDF/Suez) im Naturpark Dahme-Heideseen.

Engie, weltweit einer der größten Erdgasförderer hat drei alte DDR-Gasbohrstellen angrenzend an das Biosphärenreservat Spreewald übernommen und plant ab 2018 die Förderung von Erdgas. Gegen die Förderung im Naturpark richtet sich massiver Protest von Anwohnern. Engie rechnet mit einer Erdgasgewinnung von mehr als 500.000 Kubikmetern pro Tag. Konkrete Anträge hinsichtlich einer Förderung und Aufbereitung des Erdgases stehen aus. Jedoch gab es am 28. Juni einen sogenannten Scopingtermin beim Brandenburger Landesbergamt, bei dem man sich über beizubringende Unterlagen verständigte.

„Eine solche Anlage in einem Landschaftsschutzgebiet und Naturpark dürfte das Landesbergamt, insbesondere mit Blick auf das Lagerstättenwasser und den Bohrschlamm, nur in Ausnahmefällen genehmigen“, erklärt BAERBOCK die aktuelle Gesetzeslage. Bislang sei noch kein Antrag eingereicht, daher könne noch niemand die Ausnahmetatbestände benennen, die eine Förderung rechtfertigen würden, so BAERBOCK. Im kommenden bergrechtlichen Verfahren müsste jedoch eine Umweltverträglichkeitspflicht mit Planfeststellung durchgeführt werden, was eine Öffentlichkeitsbeteiligung einschließt, erklärte die Grünenpolitikerin. Auch die Bündnisgrünen werden diesen Prozess kritisch begleiten.

Anschließend besichtigte die Bundestagsabgeordnete eine Bohrschlammgrube bei Märkisch Buchholz, in der zu DDR Zeiten bei der Gasförderung Schlamm aus der Bohrung abgelagert wurde. Auf Anfrage des Landtagsabgeordneten BENJAMIN RASCHKE bestätigte der Brandenburger Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD), dass es in den 60er und 70er Jahren gängige Praxis war, Bohrschlämme unmittelbar am Bohrplatz zu lagern. Der Landesregierung liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Bohrschlammgruben im Land flächig kontaminiert sind. Zusammen mit der Interessengemeinschaft „Bürger in Bewegung“ wurde eine Bodenprobe entnommen. Auf Wunsch der engagierten Bürgerinnen und Bürger vor Ort wird die Bundestagsabgeordnete in Zusammenarbeit mit der bündnisgrünen Landtagsfraktion die Probe von einem anerkannten und zertifizierten Institut untersuchen lassen. Nach Angaben der Interessensgemeinschaft gebe weder das Landesbergamt noch das Unternehmen Engie Auskunft über die Zusammensetzung der ölig-schlammigen Hinterlassenschaft der Förderung aus DDR Zeiten.

Hintergrund Bohrschlammgruben

Recherchen von NDR und WDR zufolge könnte es bundesweit womöglich mehr als 1.400 Bohrschlammgruben mit giftigen Abfällen aus der Erdöl- und Erdgasförderung geben. Auch Umweltverbände schlagen Alarm. Demnach soll der Bohrschlamm in der Vergangenheit ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen entsorgt worden sein, obwohl es sich offenbar um Sondermüll handelt. Der Bohrschlamm kann zum Beispiel krebserregende polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten, aber auch giftige Schwermetalle, wie Quecksilber und Arsen, sowie radioaktive Stoffe. Die stoffliche Zusammensetzung von Bohrschlamm kann variieren und somit auch der Schadstoffgehalt. Die Überwachung von Schlammgruben und die Entsorgung des giftigen Sondermülls liegen in der Zuständigkeit der Länder. Dem NDR/WDR zufolge soll es auch in Brandenburg etwa 400 Verdachtsflächen geben.

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