Kohle

Deutschland – ein Klimaschutzvorreiter? Leider nicht mehr! Zwar sind wir mit der Energiewende gut gestartet, unsere Emissionen gehen jedoch seit Jahren nicht spürbar zurück. Dies liegt vor allem an der hierzulande nach wie vor dominanten Rolle der Kohleverstromung. Europaweit verbrennt Deutschland für seine Stromerzeugung mehr Kohle als jedes andere Land, sieben der zehn dreckigsten Kohlekraftwerke Europas nach wie vor bei uns, darunter die Brandenburger Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe. Das muss sich nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes ändern.

Folgen des Braunkohletagebaus: Gesundheitsrisiken und Heimatverlust

Die Verstromung von Kohle hat durch den massiven Treibhausgasausstoß nicht nur negative Auswirkungen auf unser Klima, sondern ganz direkt auch auf das Leben der Menschen. Denn bei der Verbrennung entstehen Schwefeldioxid, Stickoxide und Feinstaub sowie Schadstoffe wie Quecksilber, die trotz moderner Abgasfilter nicht vollständig aus Boden, Luft und Wasser ferngehalten werden können. Studien warnen deshalb vor diesen giftigen Abfallstoffen: Sie „gefährden die Gesundheit von Säuglingen, Kindern und Erwachsenen, verursachen Herzinfarkte und Lungenkrebs und führen vermehrt zu Asthmaanfällen und anderen Atemwegskomplikationen. (…) Quecksilber und Blei geraten in den Blutkreislauf und führen zu Schäden am Gehirn und weiteren Organen.“ (Greenpeace, „Tod aus dem Schlot“, 2013).

Zudem ist die Förderung der Braunkohle in den Tagebauen dafür verantwortlich, dass tausende Menschen ihre Heimat verloren haben. So fielen bis zum Jahr 2011 allein für den Tagebau Welzow Süd in Brandenburg insgesamt 17 Dörfer zum Opfer. In Deutschland wurden seit Beginn des 20. Jahrhunderts insgesamt 312 Siedlungen abgebaggert, 109.950 Menschen verloren ihre Heimat.

Gesundheitskosten der Kohle

Von Schwefeldioxid, Feinstaub, Quecksilber und Co gehen hohe Gesundheitsrisiken aus. Dennoch stoßen Kohlekraftwerke davon noch immer Unmengen in die Luft. Über die Luft (Feinstaub) und die Nahrungskette (Quecksilber) gelangen diese auch in den Körper des Menschen. Die USA haben die Gesundheitsrisiken gerade von Quecksilber erkannt und strenge Grenzwerte erlassen. Doch die schwarz-rote Bundesregierung will diese Grenzwerte in Deutschland nicht übernehmen und plant Änderungen erst im Jahr 2019. Würden die gleichen Grenzwerte wie in den USA gelten, könnte nur eines der 53 meldepflichtigen Kohlekraftwerke in Deutschland am Netz bleiben. Das ist die zentrale Aussage der Studie Quecksilber-Emissionen aus Kohlekraftwerken vom Institut für Ökologie und Politik (Ökopol) im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion.

Die gesamte Studie „Quecksilber-Emissionen aus Kohlekraftwerken“ können Sie hier nachlesen.

Greenpeace hat in einer Studie wiederum die Gesundheitskosten der Kohleverstromung auf Todesfälle und Lebensjahre umrechnen lassen. Die Studie berechnet durch eine Modellierung der Schadstoffverbreitung in der Atmosphäre, dass die Emissionen deutscher Kohlekraftwerke jedes Jahr zum vorzeitigen Tod von ungefähr 3.100 Menschen führen. Alleine das Brandenburgische Kraftwerk Jänschwalde für 373 Todesfälle pro Jahr verantwortlich.

Die Greenpeace-Publikation „Tod aus dem Schlot“ zur angesprochenen Studie finden Sie hier.

Die Studie „Assessment of Health Impacts of Coal Fired Power Stations in Germany” finden Sie hier 

Übereinkommen von Paris

Mit dem Übereinkommen von Paris, das am 12.12.2015 verabschiedet wurde, haben 195 Staaten ein Klimaschutz-Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll verhandelt. Dieses ist zwar nicht perfekt, lässt mich jedoch optimistischer als zuvor in die Zukunft blicken. Denn zum einen haben sich die Staaten darin dazu verpflichtet, dass der Anstieg der durchschnittlichen Erdtemperatur deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau gehalten wird und Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Zum anderen ist es in Rekordgeschwindigkeit gelungen, dass das Abkommen auch in Kraft tritt: Bereits Anfang Oktober 2016 konnte die doppelte Schwelle von 55 Staaten, die das Übereinkommen auf nationaler Ebene ratifiziert haben, die wiederum für mindestens 55 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, genommen werden. Mittlerweile haben über 140 Staaten und die Europäische Union das Abkommen ratifiziert. Gerade Länder wie Venezuela, Katar, Nigeria oder auch Russland, deren Staatseinnahmen stark vom Export von Öl oder Gas abhängen, sind jedoch noch nicht dabei und müssen dringend ins Boot geholt werden. Eine aktuelle Liste der Länder, die das Übereinkommen von Paris ratifiziert haben, finden Sie hier.

Mehr zum Thema Klimaschutz finden Sie hier.

Braunkohle in der Lausitz

Seit Herbst 2016 ist die Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) unter dem Dach des tschechischen Konzerns EPH/PPF Investments im Besitz des Lausitzer Braunkohlereviers, nachdem sich der schwedische Energiekonzern Vattenfall aus Klimaschutzgründen aus dem deutschen Geschäft mit der Braunkohle zurückgezogen hatte. Mit der EPH ist jedoch kein Problem gelöst, sondern lediglich verkauft worden. Eine sozialverträgliche, schrittweise und langfristig geplante Abwicklung der Braunkohle durch Vattenfall wäre für die Region, die Beschäftigten und das Klima die vernünftigste Lösung gewesen.

Die LEAG hat leider in ihrem 2017 vorgestellten Revierkonzept gezeigt, dass sie das Geschäft mit der schmutzigen Energie weiterführen wird, obwohl es sich kaum noch rechnet:

  • Die Entscheidung der LEAG, einen Beschluss zum Tagebau Welzow-Süd II aufzuschieben, beraubt die dort rund 800 betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner einer klaren Zukunft. Dies ist auch der Hoffnung der LEAG geschuldet, sich bei anstehenden Verhandlungen zum Kohleausstieg jegliche Hintertüren und Entschädigungsmöglichkeiten offen zu halten.
  • Durch den teilweisen Neuaufschluss des Braunkohletagebaus Nochten 2 müssen 200 Menschen im sächsischen Mühlrose umgesiedelt werden. Die hier geförderte Braunkohle wird bei Verbrennung rund 150 Millionen Tonnen CO2 freisetzen, was dem gesamten deutschen CO2-Ausstoß von 2 Monaten entspricht. Die fehlende Strategie der Bundesregierung für einen Kohleausstieg macht’s möglich.
  • Es gibt jedoch eine gute Nachricht: der Tagebau Jänschwalde-Nord wird nun doch nicht abgebaggert, da es sich schlicht nicht rechnet. Grabko, Atterwasch und Kerkwitz sind also gerettet

Unklar bleibt weiterhin, wie mit den Folgeschäden der Braunkohleförderung umgegangen wird und wer für die entstehenden Kosten aufkommt. Prominentestes Beispiel hierfür ist die Verockerung der Spree. Mehr zu unseren Forderungen die Braunkohlefolgekosten betreffend erfahren Sie hier.

Den Kohleausstieg einleiten, den Strukturwandel aktiv gestalten

Durch die Verbrennung von Kohle werden große Mengen an CO2 freigesetzt. So heizen wir das Klima auf. ©Kohleatlas, BUND/Heinrich-Böll-Stiftung

Durch die Verbrennung von Kohle werden große Mengen an CO2 freigesetzt. So heizen wir das Klima auf.

Während die Bundesregierung sich Konzepten zum Ausstieg aus der Kohleverstromung nach wie vor verweigert, haben wir Grüne einen „Fahrplan Kohleausstieg“ entwickelt. Darin zeigen wir die wichtigsten Schritte auf, um innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte aus der Kohle auszusteigen. Zunächst braucht es einen breiten Dialogprozess mit den betroffenen Unternehmen und Kommunen, den Gewerkschaften, Umweltverbänden etc., die sich über den Einstieg in den Ausstieg verständigen. Zudem benötigen wir einen Beschluss des Bundestages zum Kohleausstieg. Als wirksame Maßnahme müssen dann zum einen die rund 20 ältesten und schmutzigsten Kraftwerksblöcke sofort abgeschaltet werden. Zum anderen brauchen wir verbindliche CO2-Budgets für alle fossilen Kraftwerke, um die nötige CO2-Minderung planbar und an den Klimazielen orientiert umzusetzen. Auch die mit dem Kohleausstieg verbundenen Herausforderungen der Strukturentwicklung werden in unserem Fahrplan adressiert. Für die Braunkohleregionen, insbesondere die Lausitz, müssen jetzt Alternativen auf den Wege gebracht werden. Dazu gehören die Förderung von Weiterentwicklungspotenzialen, schnelleres Internet und eine bessere Verkehrsanbindung. Nur so kann es gelingen, die Betroffenen in den Regionen rechtzeitig mitzunehmen für die Zeit nach der Kohle. Erst dann zu handeln, wenn die Tagebaue stillgelegt werden, ist zu spät.

Lesen Sie im Folgenden die aktuellesten Berichte, Pressemitteilungen und Initiativen rund um das Thema Kohle.

22.08.2016

Wenn wir das Klimaabkommen von Paris ernstnehmen, müssen wir den Kohleausstieg einleiten. Statt der Deckelung der erneuerbaren Energien, brauchen wir einen planungssicheren und sozialverträglichen Kohleausstiegsplan. Doch die aktuellen Streitigkeiten um den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung machen deutlich, dass weder SPD noch Union willens sind, nach dem Atomausstieg nun endlich auch den Kohleausstieg einzuleiten. Als Grüne […]

Schaufel eines Kohlebaggers

05.07.2017

Die Kurzstudie „Arbeitsplätze in Braunkohleregionen – Entwicklungen in der Lausitz, dem Mitteldeutschen und Rheinischen Revier„, welche im Auftrag der bündnisgrünen Bundestagsfraktion die Arbeitsplatzeffekte eines Braundkohleausstiegs untersucht, schließt: „Statt unrealistischer Bekenntnisse, dass „die Braunkohle noch sehr lange wichtig bleiben wird“57 sollten die drei ostdeutschen Landesregierungen sowie die Landesregierung NRW mit den Braunkohleunternehmen daran arbeiten, dass klare […]

Annalena Baerbock am 01. Juni 2017 im Deutschen Bundestag

02.06.2017

Die beste Antwort auf Trumps Irrsinn wäre die Ansage Deutschlands, wir leiten den Kohleausstieg ein. Doch wenige Augenblicke bevor Trump den Klima-Rückschritt der USA verkündet hat, erklärten uns Union und SPD warum sie auf jeden Fall noch lange am schmutzigen Kohlestrom festhalten. Das ist die schwarz-rote Doppelmoral: Trump rügen und gleichzeitig gegen Kohleausstieg stimmen. Das habe ich in meiner Rede am 01. Juni klargestellt.

24.05.2017

Antrag der Abgeordneten Dr. Gerhard Schick, Annalena Baerbock, Kerstin Andreae, Bärbel Höhn, Britta Haßelmann, Sven-Christian Kindler, Maria Klein-Schmeink, Irene Mihalic, Lisa Paus, Jürgen Trittin, Matthias Gastel, Anja Hajduk, Stephan Kühn (Dresden), Steffi Lemke, Dr. Tobias Lindner, Nicole Maisch, Beate Müller-Gemmeke, Corinna Rüffer, Dr. Julia Verlinden und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Finanzwende einleiten ‒ Öffentliche […]