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Nord Stream 2 – Keine Privatsache

Im Jahr 2015 hat der russische Energieversorger Gazprom gemeinsam mit E.on, Shell, Engie, BASF/Wintershall und OMV den Ausbau der Nord-Stream-Pipeline vereinbart, mit der zusätzliches Gas aus Russland nach Deutschland geliefert werden soll. Mit der 1.200 Kilometer langen Pipeline soll die Kapazität der bestehenden Pipelines bis 2019 verdoppelt werden. Wenngleich die ersten beiden Stränge bisher nur zu 70 Prozent ausgelastet sind, sollen mit Nord Stream 2 zusätzliche 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr nach Deutschland geliefert werden. Dazu wurde die New European Pipeline AG gegründet, welche ihren Sitz außerhalb der Europäischen Union in der Schweiz hat und an der Gazprom 50 Prozent der Anteile besitzt.


 

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In unserem Autorenpapier habe ich gemeinsam mit Anton Hofreiter, Oliver Krischer, Marieluise Beck, Bärbel Höhn, Dieter Janecek, Omid Nouripour, Manuel Sarrazin und Julia Verlinden unsere Position zum Projekt Nord Stream 2 verdeutlicht.

Wir analysieren darin sowohl die europapolitischen Aspekte wie den rein bilateralen Ansatz des Projekts als auch geostrategische Kosten: Denn während Ziel der europäischen Energiepolitik eine Diversifizierung europäischer Energiequellen ist, würde Nord Stream 2 die Abhängigkeit von Russland verschärfen. Auch die infrastrukturellen Kosten sind nicht zu vernachlässigen, denn mit dem Bau von nord Stream 2 ist es nicht getan – in Deutschland wären massive Investitionen in Anbindung und Weiterverteilung nötig. Schlussendlich hat das Projekt Nord Stream 2 hohe klimapolitische Kosten. Denn vor dem Hintergrund von Effizienzsteigerungen und daraus resultierender geringerer Gasnachfrage in ein fossiles Großprojekt zu investieren, das laut Nord-Stream-Konsortium auf 50 Jahre angelegt ist, macht absolut keinen Sinn.

Sie können das gesamte Autorenpapier im pdf durch Klick auf das Bild lesen.


 

Unser Fazit  lautet:

Nord Stream 2 mag sich als Pipeline-Projekt finanziell selbstständig tragen, die negativen politischen und ökonomischen Folgekosten sind jedoch immens. Es widerspricht zudem den europäischen Dekarbonisierungsverpflichtungen gemäß des Pariser Abkommens und zementiert die fossile Abhängigkeit. Es schwächt die Weiterentwicklung der europäischen Energieunion und verringert die europäische Wettbewerbsfähigkeit, da es die EU abhängig von nur einem Versorger macht, der zukünftig sein Monopol auch als Druckmittel verwenden könnte. Zudem kann Nord Stream 2 nicht losgelöst von den sicherheitspolitischen Herausforderungen in der Ukraine betrachtet werden. All das kann und darf nicht im Interesse Deutschlands und der EU sein.

Aus diesen Gründen werden wir dem Projekt nicht politisch gleichgültig gegenüberstehen, wie es die Bundesregierung derzeit selbst zu suggerieren versucht, sondern wenden uns strikt gegen den Ausbau dieser unnötigen und klimaschädlichen Infrastruktur. Wir müssen auf die wahren heimischen Energieträger Sonne, Wasser, Wind und nachhaltige Biomasse setzen. Sie produzieren mittlerweile nicht nur Strom viel günstiger als neue Gas- oder Kohlekraftwerke, sondern machen uns auch unabhängig von teuren Energieimporten.

 

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