Kirschblüten

Bild: Kirschblüte in Müncheberg, ideengrün.de | markus pichlmaier

In ihrer Antwort auf unsere Kleine Anfrage „Obstbauforschung in Deutschland“ bestätigt die Bundesregierung, dass die Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen mit fortschreitendem Klimawandel zunehmen werden (siehe Antwort 3). Doch offensichtlich will man seitens des Bundes nichts dagegen unternehmen – zumindest nicht mit Blick auf den Nordosten Deutschlands. Zwar misst die Bundesregierung der Obstbauforschung vorgeblich eine „sehr hohe Bedeutung zu“ (siehe Antwort 6), will sich aber an der Obstbauversuchsstation in Brandenburg nicht beteiligen, weil es hierfür „kein bundespolitisches Interesse“ gebe (siehe Antwort 15). Zudem begrüßt die Bundesregierung, dass die Versuchsstation wieder in die Obhut des Landes überführt wurde, da dadurch „der Erhalt der brandenburgischen obstgenetischen Ressourcen wahrscheinlich besser und dauerhaft gesichert ist“ (siehe Antwort 12). Dass die Existenz der Station jedoch wegen fehlender finanzieller Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums massiv gefährdet ist und kaum noch eigene Forschung betreibt, sondern lediglich der Bestand gesichert werden kann, interessiert die Bundesregierung offensichtlich nicht.

Vor dem Hintergrund des Besuchs von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka in der „Forschungsstadt Müncheberg“ und der Antwort auf die Kleine Anfrage erklärt Annalena Baerbock, grüne Bundestagsabgeordnete aus Brandenburg:

„Ohne klare Zusagen für die Forschungsarbeit an der Obstbauversuchsstation Müncheberg macht Ministerin Wanka die Forschungsstadt lediglich zur Kulisse eines Wahlkampftermins. Als Forschungsministerin muss sie sich – auch angesichts der Folgen des Klimawandels – dafür einsetzen, dass der Forschungs- und Versuchsbetrieb gestärkt wird. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass ein großer Teil der brandenburgischen Obstblüte im Frühjahr erfroren sein soll, nicht aber die Bestände in Müncheberg, da sie vor allem auf regionale Sorten setzen.

Die Obstbauversuchsstation ist eine Schatzkammer der biologischen Vielfalt. Angesichts der Herausforderungen des Klimawandels auf Landwirtschaft und Obstbau, dürfen wir es hier nicht allein beim Bestandschutz durch das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) belassen. Vielmehr sollte Ministerin Wanka klare finanzielle Zusagen treffen und die traditionelle Versuchsstation in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landwirtschaftsministerium unter das Dach des Julius-Kühn-Instituts holen. Denn auch die brandenburger Landesregierung steht hier in der Pflicht. Seit dem Wechsel der Versuchsstation auf die Landesebene ignoriert man in Potsdam den Warnruf aus Müncheberg und weigert sich, ausreichend finanzielle Mittel bereit zu stellen, obwohl es ihre Aufgabe wäre. In Zeiten, in denen die brandenburgischen Obstbauern mehr denn je auf diese genetische Schatzkammer angewiesen sind, ist es grob fahrlässig von Land und Bund, durch Wegschauen das schleichende Ausbluten der Station billigend in Kauf zu nehmen.“

Die kleine Anfrage nebst Antwort finden Sie hier.


Hintergrund Obstbauversuchsstation Müncheberg:

 An der Müncheberger Obststation begann die Forschung 1928. Es handelt sich hier um die einzige obstbauliche Station in Berlin und Brandenburg nördlich von Sachsen.

Es befinden sich auf dem 34 Hektar großen Gelände der Station ca. 8.000 Gehölze, davon 1.200 Apfelsorten, 500 Birnensorten, 50 Kirschsorten und dazu noch eine nicht näher bekannte Anzahl an Aprikosen-, Pirsich-, Pflaumen-, Mirabellensorten, Beerenobst u.a.

Neben dem „normalen“ obstgenetischen Bestand befindet sich hier ein regionaler obstgenetischer Fonds mit Arten und Sorten, welche nur noch hier und einmalig in der Welt vorhanden sind. Dieser wurde innerhalb von fast einem Jahrhundert zusammengetragen, gehegt, gepflegt und bis heute ständig erweitert. Es finden sich hier Gehölze, die in ihrer Einmaligkeit Grundlagen für die Herausforderungen des Klimawandels beinhalten: Sie trotzen den klimatischen Veränderungen, sind u.a. in der Lage, Trocken- und Dürreperioden wie auch Polarwinter zu überstehen. Die Müncheberger Versuchsstation verfügt über große nationale und internationale Anerkennung für den Erhalt von nationalen Sorten und seine Züchtungsforschungen.

Seit dem 1.1.2016 befindet sich die Versuchsstation nicht mehr projektgebunden im ZALF e.V., sondern im Brandenburger LELF.

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