Schaufel eines Kohlebaggers

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Unter dem Motto „Wandel gestalten – Modernisierung vorantreiben“ waren Cem Özdemir und Annalena Baerbock heute gemeinsam in Potsdam und der Lausitz unterwegs. Den Auftakt der Tour bildete ein Besuch im Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Im Gespräch mit Prof. Schellnhuber und Prof. Edenhofer bestätigte sich, dass ein zügiger Kohleausstieg mehr als notwendig ist, um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu senken und die Klimaziele zu erfüllen. Eine frühzeitige Stilllegung der Überkapazitäten sei dringend erforderlich, da sich CO2 in der Atmosphäre anreichert. Weniger entscheidend sei, wann das letzte Kraftwerk schließlich vom Netz geht.

Im Anschluss ging es zum Tagebau Jänschwalde. Hier wurde das ganze Ausmaß der Naturzerstörung deutlich. An der Tagebau-Kante zeigte sich, dass die Braunkohle zu Unrecht als günstiger Rohstoff gepriesen wird. Die Kosten für die Renaturierung und Tagebausanierung sind immens. Ganz zu schweigen von den Folgekosten der Klimakrise, die von der Allgemeinheit übernommen werden. Axel Kruschat, Geschäftsführer des BUND Brandenburg, verdeutlichte zudem das Problem der ineffizienten Energiegewinnung. Ein schwacher Wirkungsgrad rechtfertigt keinen Platz in einem modernen und leistungsstarken Energiemix.

Die Zukunft der Energieregion Lausitz liegt bei den Erneuerbaren. Das machte auch der anschließende Firmenbesuch der VPC GmbH in Vetschau klar. Das Unternehmen begegnet den Herausforderungen der Energiewende mit deutschem Ingenieursgeist und erweiterte das Firmenportfolio auf Speicherung und Flexibilisierung des Stromangebots.

Zum Abschluss der Tour erklären Cem Özdemir und Annalena Baerbock: „Die Lausitz könnte zu einer der Zukunftsregionen unserer Republik werden, wenn die politischen Weichen richtig gestellt werden. Man darf den Leuten hier aber nicht länger Sand in die Augen streuen und falsche Versprechen machen. Die Kohle hat mittelfristig keine Zukunft. Statt den Strukturwandel zu blockieren, gilt es mit den Fachkräften vor Ort, den Unternehmen und allen Betroffenen, diesen Wandel aktiv zu gestalten.“

 

Hintergrund:

Vor dem Tour-Start wurde heute die Studie „Arbeitsplätz in den Braunkohleregionen“ veröffentlicht. Zusammengefasst heißt es in der Studie, dass es in der Braunkohle-Branche nur noch rund 20.000 direkte Arbeitsplätze (im Rheinischen Revier 9.000, im Mitteldeutschen Revier 2.600 und in der Lausitz 7.900) gibt. Damit liegt der Anteil der Beschäftigten in der Braunkohle an den gesamten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sowohl auf Bundesebene als auch in jedem betroffenen Bundesland (Brandenburg, NRW, Sachsen, Sachsen-Anhalt) nur noch deutlich unter einem Prozent. In der Erneuerbaren-Branche arbeiten heute bundesweit 17x mehr Menschen als in der Braunkohlenwirtschaft. Selbst im noch stark von der Braunkohle geprägten Brandenburg beschäftigen die Erneuerbaren heute schon mehr als doppelt so viele Menschen (17.350 in der Erneuerbaren-Branche (2015), 7.870 in der Kohle). Bereits heute sind 40% der im Bergbau Tätigen über 50 Jahre alt und werden bis 2021 weitgehend sozialverträglich in Rente gehen. Gleichzeitig gibt es – insbesondere in der Lausitz – einen starken Fachkräftemangel, der sich in Zukunft noch verschärfen wird.

 

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