Abschöpfung von Wasser aus der Spree bei Spremberg. Bild: Markus Pichlmaier/ideengruen.de

Zu den heutigen Presseberichten der Märkischen Oderzeitung über das Erreichen von 200 mg/l Sulfat im Frankfurter Trinkwasser, erklärt die Brandenburger Bundestagsabgeordnete ANNALENA BAERBOCK von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

Die Märkische Oderzeitung berichtete heute, dass eine Wasserprobe vom 13. Oktober am Wasserwerk Briesen 201 mg/l Sulfat im Frankfurter Trinkwasser festgestellt hat. Dies stellt eine direkte Folge der weiterhin hohen Sulfatwerte in der Spree dar. Damit steuert die Belastung weiter auf den gesetzlichen Grenzwert von 250 mg/l zu, was bei den Verantwortlichen der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (FWA) zu großen Sorgen führt.

Das vor kurzem veröffentlichte Berliner Gutachten zur Sulfatbelastung in der Spree zeigt auf, dass die seit 2014 sehr hohen Sulfatkonzentrationen in der Spree mehrere Ursachen hat: die seit 2010 gestiegenen Sulfateinträge aus dem aktiven Braunkohletagebau (Vattenfall) und aus dem Sanierungstagebau (LMBV), sowie eine Phase von geringen Niederschlägen, die bis heute anhält. Der Sulfateintrag aus dem aktiven Braunkohlebergbau wurde im Gutachten mit 136.000 Tonnen pro Jahr beziffert, der Sulfateintrag des Sanierungsbergbaus mit 44.000 Tonnen pro Jahr. Eine prozentuale Verursacher – Aufteilung dieser 180.000 Tonnen Sulfat pro Jahr ergibt eine Verteilung von 76 % (Vattenfall) zu 24% (LMBV) bei Vernachlässigung der natürlichen Sulfatkonzentration.

Die Maßnahme „Reaktivierung des Wasserwerkes Müllrose“, soll dauerhaft eine gute Trinkwasserqualität für die WasserkundInnen in Frankfurt (Oder) und Umgebung gewährleisten. Für deren seit langem diskutierte Finanzierung durch Vattenfall, LMBV und Land schlussfolgere ich, dass die angestrebte Kostenübernahme anhand anderer Werte als der Vergangenheit verhandelt werden muss. Ich fordere Minister Jörg Vogelsänger auf, Vattenfall und die LMBV endlich an den Verhandlungstisch zurückzuholen und eine Finanzierung der sulfatsenkende Maßnahme „Reaktivierung des Wasserwerkes Müllrose“ entlang der im Berliner Gutachten berechneten Werte zu verhandeln. Der bisherige Vorschlag, die Kosten zu 45% auf Vattenfall, zu 45% auf die LMBV und zu 10% auf das Land zu verteilen, gehen dem Gutachten nach offensichtlich an der Verursacher-Realität vorbei. Ein Abwarten der Ergebnisse eines weiteren Sulfatprognose – Gutachtens, wie es das Land Brandenburg ankündigte, verlängert unnötig die Hängepartie um das Frankfurter Trinkwasser. Hier sollte für die Sicherheit des Trinkwassers entschieden werden, statt für die Sicherheit der Prognose.“

Minister Vogelsänger bestätigte vor ca. sechs Wochen noch einmal im Landtag, dass er die Maßnahme „Reaktivierung des Wasserwerkes Müllrose“ angesichts der aktuellen und weiter steigenden Sulfatwerte in der Spree für angemessen hält und das Geld vom Land dafür bereit stehe.

Den heutigen Artikel der Märkische Oderzeitung finden Sie hier: http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/frankfurt-oder/artikel9/dg/0/1/1433442/?res=1

 

Hintergrund:

Die Trinkwassergewinnung im Wasserwerk Briesen durch die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (FWA) für den Raum Frankfurt (Oder) steht durch die hohen Sulfatwerte in der Spree seit langem vor großen Herausforderungen. Die FWA plant seit Monaten die Reaktivierung des Wasserwerkes Müllrose, um die Trinkwasserverordnung auch zukünftig sicher einzuhalten. Für die Kosten sollten Vattenfall und LMBV je zu 45% aufkommen, das Land zu 10%. Während es Zusagen von Vattenfall und dem Land Brandenburg gab, sieht die LMBV bisher keine Notwendigkeit, Mittel bereit zu stellen.

Das Gutachten zur Fallananalyse der Sulfatbelastung in der Spree in den Jahren 2014/2015 wurde am 2.10. veröffentlicht und ist hier einsehbar: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/wasser/download/sulfatbelastung_spree_2014_2015-iwb.pdf [3]

Das Gutachten stellt dar, dass die vereinbarten Zielwerte der Sulfatkonzentration in der Spree (250 mg/l) am Wasserwerk Briesen im Jahr 2014 mit einer Häufigkeit von 57% (!) überschritten wurden. (Seite 7, Punkt 21)

Das Gutachten bestätigt zudem, dass die Sulfatsteuerung durch Mengenbewirtschaftung aufgrund des geringen Wasserdargebotes nur eingeschränkt funktionierte (Seite 8, Punkt 25) und dass es zuverlässiger Prognosen der Entwicklung der Sulfateinträge aus aktivem Bergbau und Sanierungsberbau braucht, um die künftige Entwicklung der Sulfatwerte in der Spree sicher abschätzen zu können. (Seite 8, Punkt 26)

Der Versuch, die Sulfatfracht in der Spree über Mengenbewirtschaftung in den Griff zu kriegen, scheitert aktuell daran, da die Talsperren Bautzen und Quitzdorf seit Mitte September gar kein Wasser in die Spree mehr liefern können. Auch die Talsperre Spremberg hat keine unendlichen Reserven mehr.

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