Windräder werden aufgebaut.

Wir bauen an der Energiewende! (Bild: Erich Westendarp / PIXELIO)

Warum Klimaschutz eine Riesenchance für die deutsche Wirtschaft ist – focus, 01.11.2016

Am 1.11. erschien im auf ein Interview, welches die focus-Journalistin Uschi Jonas einige Tage zuvor mit mir geführt hatte. Darin sprechen wir über die Chancen, die der Klimaschutz für die deutsche Wirtschaft bietet und weshalb wir unbedingt ein Klimaschutzgesetz brauchen.

Das Interview können Sie im Volltext hier oder auf focus online (klick) nachlesen.

Warum Klimaschutz eine Riesenchance für die deutsche Wirtschaft ist

Klimaschutz ist nicht nur eine Sache für Weltverbesserer, sondern auch wichtig für die deutsche Wirtschaft. Annalena Baerbock, klimapolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, erklärt im FOCUS-Online-Interview, warum.

FOCUS Online: Warum ist eine gesetzliche Verankerung der Klimaschutzziele so wichtig?

Baerbock: Durch ein Gesetz werden die die internationalen Klimaschutzversprechen national auch rechtlich verbindlich gemacht. Um die nötigen Innovationen auszulösen, brauchen wir zudem Planungssicherheit für Unternehmen. Und die gibt es nur, wenn der Gesetzgeber die Ziele für die kommenden zehn bis 20 Jahre vorgibt. Nur dann lohnen sich Investitionen auch aus finanzieller Sicht.

FOCUS Online: Wie sind die Interessen von Klimaschützern und Wirtschaft vereinbar?

Baerbock: Es ist ein falsches Bild, dass es auf der einen Seite die Umweltverbände und die Grünen gäbe und denen gegenüber die Wirtschaft stünde. Es gibt führende Unternehmen wie zum Beispiel die Deutsche Bahn oder auch Puma, die sich intensiv im Klimaschutz engagieren. Sie sehen Klimaschutz als Innovationsmotor für Deutschland. Der Wirtschaftsstandort Deutschland hat immer wirtschaftlich davon profitiert, wenn wir bei grünen Technologien ganz vorne dabei waren – so beispielsweise mit der Einführung des Katalysators oder dem Rußpartikelfilter. Sie kamen, weil die Politik mit gesetzlichen Vorgaben deutlich gemacht hat, wohin es gehen soll. Und das hat sich dann weltweit durchgesetzt, andere Länder kaufen diese Technologie „Made in Germany“.

Die Vorreiterrolle Deutschlands im Umweltschutz ist kein Selbstläufer

FOCUS Online: Deutschland hat schon immer eine wichtige Rolle im Umweltschutz gespielt. Ist das ein Selbstläufer?

Baerbock: Als Exportnation sollten wir auch weiterhin im Bereich der Umwelttechnologien führend sein. Ingenieurskunst ist ja eine deutsche Stärke. Aber momentan sehe ich eine große Gefahr für den deutschen Industriestandort. Die deutsche Automobilindustrie hat die Elektromobilität einfach verschlafen. In den USA beispielsweise geht Tesla voran, in China gibt es heute mancherorts nur noch Elektromotorräder. VW hat den größten Absatzmarkt in China. Es wird nicht mehr lange dauern, bis dort auch Autos mit fossilem Verbrennungsmotor in Großstädten nicht mehr zugelassen werden. Wenn der Absatzmarkt einbricht, dann bricht in Deutschland die Konjunktur ein. Dem können wir vorbeugen, indem der deutsche Gesetzgeber deutlich aufzeigt, was der Rahmen ist. Nicht die Technologie vorgeben, sondern den Rahmen, wohin die Reise gehen soll.

FOCUS Online: Was heißt das konkret?

Baerbock: Das heißt die Beschlüsse von der Klimakonferenz in Paris– die deutschen CO2-Emissionen bis 2050 um 95 Prozent zu mindern – in ein Klimaschutzgesetz zu gießen, das aufzeigt wie viel Tonnen CO2 in welchen Schritten und Bereichen einzusparen sind. Im Strombereich müssen wir beispielsweise in den nächsten 20 Jahren schrittweise aus der Kohle aussteigen und komplett auf erneuerbare Energien umstellen. Automobilhersteller können ab 2030 keine dreckigen, sondern nur noch emissionsfreie Autos auf den Markt bringen. Ebenso müssen die Akteure im Gebäudebereich, in der Landwirtschaft, in der Abfallwirtschaft, in der Stadtentwicklung, in der Industrie sowie im Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungsbereich wissen, was die Ziele von Paris für sie bedeuten.

FOCUS Online: Wie kann man Anreize für Länder schaffen, die sich bislang wenig um Klimaschutz scheren?

Baerbock: Natürlich gibt es auch Länder, wie zum Beispiel Saudi-Arabien, die an fossilen Quellen hängen und diese keineswegs von heute auf morgen aufgeben werden. Aber selbst dort hat man erkannt, dass das fossile Zeitalter zu Ende geht. In den nächsten 20 Jahren will der bisherige Ölstaat über 100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Solarindustrie investieren. In Marokko wurde gerade der weltweit größte Solarpark fertig gestellt. Ärmeren Länder, deren Bevölkerung gerade in Afrika zu einem erheblichen Teil ja noch gar keine Stromversorgung hat, soll dabei geholfen werden, gleich in saubere, regenerative Energiequellen einzusteigen.

„Über das Ozonloch spricht heute keiner mehr“

FOCUS Online: Am 7. November beginnt die UN-Klimakonferenz in Marrakesch. Was ist da zu erwarten?

Baerbock: Seit Oktober ist das Pariser Klimaabkommen in Kraft. Paris war ein wichtiger Meilenstein. Marrakesch wird jetzt eine reine Arbeitskonferenz, um das, was in Paris beschlossen wurde, technisch zu untermauern und die konkreten Maßeinheiten für die Klimaschutzberichte festzulegen. Auch Geld wird eine große Rolle spielen. Die Industrieländer werden den Entwicklungs- und Schwellenländern für die Technologieentwicklung 100 Milliarden US-Dollar zu Verfügung stellen – nur ist bislang noch nicht klar, wie diese Summe genau zusammenkommen soll.

FOCUS Online: Im Klimaabkommen von Kigali hat sich die Weltgemeinschaft jüngst auf die Abschaffung von FKW-Gasen geeinigt. Warum ist das so bedeutsam?

Baerbock: Wir haben uns viele Jahre auf die Schäden, die CO2 anrichtet, konzentriert. Aber es gibt auch andere klimaschädliche Gase und dazu zählt FKW. Eigentlich wurde FKW ja als Ersatzstoff für FCKW entwickelt. FCKW ist ein gefährliches Ozongas, dessen Bekämpfung sehr erfolgreich war. Das ist auch ein sehr gutes Beispiel, um zu zeigen, welchen Erfolg internationale Konferenzen haben können. Über das Ozonloch spricht heute keiner mehr, weil wir es schnell geschafft haben, FCKW zu verbannen.

Nun gilt es diesen klimaschädlichen Ersatzstoff FKW, der in Klimaanlagen und Kühlschränken verwendet wird, zu begrenzen. Das größte Hindernis bei den Verhandlungen in Kigali war, dass die Entwicklungsländer nicht die notwendige Technologie haben, um Ersatzstoffe zu finden. Deshalb sind sie auf unsere technologische Unterstützung angewiesen – wiederum eine Riesenchance für Deutschland, ambitioniert in den Markt einzusteigen.

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