Datum/Zeit
Date(s) - 11.Aug.2016
15:00 - 17:00

Veranstaltungsort:
Genshagener Busch Adresse:
Am Wald
14974 Genshagen
Deutschland

Im Rahmen der Aktion „Hände weg von meinem Schutzgebiet“ bin ich heute im Genshagener Busch. Damit mache ich auf die Bestrebungen der EU-Kommission zum sogenannten „Fitness-Check“ der Naturschutzrichtlinien aufmerksam. Gemeinsam mit Vertreter*innen der Ortsgruppe der NaturFreunde werde ich eine kleine Wanderung im Europäischen Schutzgebiet (FFH) Genshagener Busch unternehmen – einem Erlenbruchwald im Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Diedersdorfer Heide-Großbeerener Graben“.

Interessierte sind herzlich eingeladen, mit zu wandern

Die NaturFreunde pflegten im Genshagener Busch lange einen so genannten NaturaTrail-Wanderweg. Aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung gingen die NaturFreunde in diesem Jahr bereits per Anzeige gegen einen Kahlschlag im Schutzgebiet vor. Für die Wiedereinrichtung des NaturaTrails, neue Wanderwegemarkierung, Infotafeln und weitere touristische Infrastruktur wollen sie gemeinsam mit dem Genshagener Ortsbeirat um Unterstützung der Stadt Ludwigsfelde kämpfen.

Hintergrund: Natura 2000-Schutzgebiete

Die EU beschloss 1992, ein Schutzgebietsnetz (Natura 2000) aufzubauen, das dem Erhalt wildlebender Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume dient. Das Netz Natura 2000 besteht aus den Gebieten der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie, Mai 1992, 92/43/EWG) und der Vogelschutzrichtlinie (April 1979, 79/409/EWG). In Deutschland sind 15,4 Prozent der terrestrischen rund 45 Prozent der marinen Fläche Natura-2000-Gebiete. Natura 2000 ist extrem wichtig für die biologische Vielfalt und unverzichtbar für den Naturschutz in Deutschland. Natura 2000 hat eine exzellente Kosten-Nutzen-Bilanz und ist insbesondere für wandernden Arten unerlässlich. In vielen EU-Ländern bieten ihnen die Richtlinien den einzigen Schutz. Seeadler, Kranich, Wildkatze und Biber feiern spektakuläre Comebacks. Doch neben Erfolgen sind weiterhin große Verluste der Biodiversität in Deutschland und der gesamten EU zu verzeichnen. Dies liegt zuvorderst an mangelhafter Umsetzung und Finanzierung der Richtlinien.

Hintergrund: Modernisierung der EU-Naturschutzrichtlinien

Die EU will ihre Naturschutzrichtlinien modernisieren. Dies geschieht im Rahmen des sogenannten REFIT-(„Effizienz und Leistungsfähigkeit der Rechtsetzung“)-Prozesses. Seit Anfang des Jahres 2015 evaluiert die Europäische Kommission nun die EU-Vogelschutz und Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie. Mit einem „Fitness-Checks“ prüft sie, ob diese Naturschutzrichtlinien nicht „überproportional“ hohe Kosten und Schwierigkeiten für die Wirtschaft bewirken und ob man sie nicht zusammenlegen und modernisieren könnte. Um „Fitness“ geht es dabei eher weniger, vielmehr wird hier die Abrissbirne des Naturschutzes geschwungen, um Wirtschaftswachstum und Deregulierung voranzutreiben.
Es besteht die Gefahr, das weltweit größte Netzwerk an Schutzgebieten (Natura 2000) und alle Errungenschaften im Arten- und Naturschutz aufs Spiel zu setzen.

Hintergrund: FFH-Gebiet Genshagener Busch und Kahlschlag

Zum Genshagener Busch allgemein: Informationen zum Schutzgebiet

Zum Kahlschlag im Schutzgebiet: Pressemitteilung der Naturfreunde Brandenburg

Kategorien


Kommentar verfassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.