Kinder und Familie

Kinder sollten kein Luxus sein – doch vor allem bei Alleinerziehenden oder Geringverdienenden mit Kindern reicht das Geld oft vorn und hinten nicht. Die Kinderregelsätze sind nicht bedarfsgerecht. Der Kinderzuschlag oder das Bildungs- und Teilhabepaket kommen bei vielen Kindern überhaupt nicht an, obwohl sie einen Anspruch auf diese Leistung haben. Familien werden durch das Kindergeld einerseits und die Kinderfreibeträge andererseits in unterschiedlicher Höhe entlastet. Zur Armutsbekämpfung braucht es zusätzlich starke Unterstützungsstrukturen vor Ort – durch Jugendhilfe, Gesundheitsförderung und Schule. Die Zeit zum Handeln ist mehr als reif. Kinder können nicht warten.

Im Video: Unsere Konferenz „Familien stärken, Kinder aus der Armut holen“ am 18.09.2018

Doch trotz guter wirtschaftlicher Lage und geringer Arbeitslosigkeit ist in unserem reichen Land weiterhin jedes fünfte Kind von Armut bedroht. Zählt man verdeckte Armut hinzu, sind etwa 4,4 Millionen Kinder betroffen. Doch die Bundesregierung verschließt vor diesem Problem die Augen. Sie beschließt eine Kindergelderhöhung, von der arme Kindern gar nichts haben und plant eine Reform des Kinderzuschlags, bei dem das zentrale Problem ignoriert wird: 13 Jahre nach der Einführung des Kinderzuschlags kommt er bei zwei von drei anspruchsberechtigten Kindern nicht an.

Für eine Kindergrundsicherung

Es braucht also den Systemwechsel hin zur grünen Kindergrundsicherung. Sie muss automatisch und ohne kompliziertes Antragsverfahren ausgezahlt werden: in Form eines garantierten Betrags für alle Kinder sowie eines variablen Betrags, der sicherstellt, dass alle Kinder bekommen, was sie zum Leben brauchen. Je niedriger das Einkommen ist, desto höher der variable Betrag, damit zuverlässig der Mindestbedarf jedes Kindes gedeckt ist. Wir müssen neu definieren, wie das soziokulturelle Existenzminimum von Kindern bestimmt werden kann, damit ihnen das notwendige zum Leben zur Verfügung steht und sie auch am sozialen und kulturellen Leben teilhaben können.

Wir müssen mehr Perspektiven schaffen: mit einer starken Jugendhilfe, wirklich guten Kitas und Ganztagsschulen, sowie einer umfassenden Gesundheitsförderung. Das eröffnet allen Kindern die Chance, ihr Potenzial zu entfalten. Betreuungsmöglichkeiten mit flexiblen Öffnungszeiten erleichtern zudem beiden Eltern berufstätig zu sein. Auch das beugt Armut von Familien vor. Außerdem wird ein Stadtteil durch eine Vielfalt von kostenfreien kinder- und jugendgerechten Angeboten attraktiver.

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01.06.2019

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